Bachelor und Master – der Bologna-Prozess

Warum die Umstellung?

Die Basis für die Umstellung der Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und Master ist die sog. Bologna-Erklärung. Sie wurde 1999 von 29 Bildungsministern unterzeichnet und hat die Errichtung eines einheitlichen Hochschulrahmens bis zum Jahr 2010 zum Ziel. Den Anstoß für diese Vereinheitlichung gaben 1998 die vier größten EU-Staaten Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland. Derzeit beteiligen sich insgesamt 46 Länder am Bologna-Prozess.

Was zeichnet die neuen Studienabschlüsse aus?

Die neuen Studienabschlüsse sollen die internationalen Hochschulabschlüsse vereinheitlichen. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden die Studienleistungen mit ECTS-Credits bewertet. Die problemlose Vergleichbarkeit von Studienleistungen wird allerdings dadurch erschwert, dass beispielsweise einige Hochschulen in Großbritannien eigene Standards setzen und nicht bereit sind, den vereinbarten Bologna-Prozess in gleichem Umfang wie die anderen beteiligten Länder umzusetzen. Anstatt der ECTS-Credits wird das sog. “Credit Accumulation and Transfer Scheme“ (CATS) angewendet. Ähnlich verhält es sich mit der Verleihung akademischer Abschlüsse: Mehrere britische Universitäten verleihen MBA-Abschlüsse, deren Anforderungsniveau unter dem von Masterabschlüssen nach Bologna-Vorgaben liegt.

Was unterscheidet einen Bachelor-Studiengang von einem bisherigen Grundstudium?

Bachelor- und Diplom-Studiengänge sind unterschiedlich strukturiert: Ein Diplom-Studiengang gliedert sich in ein 2-semestriges Grundstudium, das mit einem Vordiplom abschließt. Danach folgt das Hauptstudium, in dem verschiedene Praktika sowie -nicht anwesenheitskontrollierte- Vorlesungen durchgeführt werden. Die Zulassung zur Diplom-Prüfung wird erteilt, wenn alle benötigten Praktika absolviert wurden. Sie besteht aus vier mündlichen Prüfungen und einer Diplomarbeit, die innerhalb eines halben Jahres beendet werden muss.

Ein Bachelor-Studiengang dauert üblicherweise drei Jahre und soll direkt auf die Berufstätigkeit vorbereiten. Es ist modular strukturiert, die einzelnen Module können theoretisch in beliebiger Reihenfolge durchlaufen werden. Jede Lehrveranstaltung schließt mit einer Prüfung ab, deren Bestehen in Credits gewichtet wird. Für einen Bachelor-Abschluss werden insgesamt 180 Credits benötigt. Aufgrund der zahlreichen Zwischenprüfungen entfällt die Abschlussprüfung. Zum Ende des Studiums wird die Vorlage einer Bachelor-Arbeit verlangt, deren Umfang jedoch etwas geringer als der einer Diplom-Arbeit ist.

Welche Studienvoraussetzungen muss man erfüllen?

Für die Aufnahme eines Studiums ist bei den meisten Studiengängen das Abitur die Voraussetzung. Mit der Fachhochschulreife ist ein fachgebundenes Studium möglich, das in der Regel an einer Fachhochschule, in einigen Fällen jedoch auch an einer Universität möglich ist. Im Zuge des Bologna-Prozesses haben sich die meisten deutschen Fachhochschulen umbenannt und führen nun die Bezeichnungen “Hochschule” oder “Universität”. In manchen Studiengängen ist auch ein Studium ohne Abitur möglich. Die Zugangsvoraussetzungen sind allerdings unterschiedlich geregelt.
Für die Aufnahme eines Master-Studiums werden ein Bachelorabschluss oder Diplom sowie spezifische Zugangsvoraussetzungen erwartet, die in der jeweiligen Master-Prüfungsordnung geregelt sind.

Wer überprüft die Qualität der Studiengänge? Was, wenn ein Studiengang noch nicht akkreditiert ist?

Die Qualitätssicherung von Studium und Lehre wird vom Akkreditierungsrat der Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland länderübergreifend organisiert. Dem Akkreditierungsrat gehören Hochschul- und Ländervertreter, Vertreter der Berufspraxis, internationale Vertreter, Studierende sowie Verterter der Agenturen (nur als beratendes Mitglied) an. Der Akkreditierungsrat genehmigt die auf Länderebene tätigen Akkreditierungsagenturen. Diese Agenturen überprüfen die Qualität der einzelnen Studiengänge und vergeben bei einem positiven Urteil Gütesiegel. Wenn ein Studiengang kein Gütesiegel vorweisen kann, liegt das in der Regel an der Überlastung der Agenturen, die bislang noch nicht alle Studiengänge überprüfen konnten.

Was heißt Modularisierung?

Eine Modularisierung der Studiengänge beinhaltet, dass Studienveranstaltungen und -inhalte zu in sich abgeschlossenen und überprüfbaren Inhalten gebündelt wurden. Ein Modul kann aus Veranstaltungen verschiedener Art bestehen, die jedoch das Ziel der Vermittlung von gemeinsamen Kompetenzen haben. Ein Studium gliedert sich in mehrere Module, wobei es sowohl verpflichtende als auch Module als Bestandteil eines Wahlbereichs gibt. Jedes Modul endet mit einer Prüfung, die mit einer bestimmten Zahl von Credits bewertet wird.

Wie funktioniert das Credit-System?

Credits sind Leistungspunkte, ohne die ein Studienabschluss nicht möglich ist. Zusätzlich zur Studien- und Prüfungsordnung soll für jeden Studiengang ein Modulhandbuch erstellt werden, aus dem u. a. auch die Zahl der zu erreichenden Credits und der Arbeitsaufwand pro Modul hervorgehen.

Welche Abschlüsse gibt es?

Es gibt folgende Abschlüsse:
- Bachelor/Master of Engineering
(Ingenieurwissenschaften)
- Bachelor/Master of Arts
(Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport, Sportwissenschaft, Sozialwissenschaft, Kunst und Kunstwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften)
- Bachelor/Master of Laws
(Rechtswissenschaften)
- Bachelor/Master of Science
(Mathematik, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Naturwissenschaften)

Gibt es zum Abschluss ein aussagekräftiges Zeugnis?

Die offiziellen Dokumente, die einen Hochschulabschluss belegen (z. B. Prüfungszeugnisse, Verleihungsurkunden) werden durch ein Diploma Supplement (DS) ergänzt. Seit 2005 gibt es mit europaweit abgestimmten Formulieurngen Auskunft über die erreichten Hochschulabschlüsse und die damit erworbenen Qualifikationen.

Was ist ein Bachelor?

Der Bachelor-Abschluss wird nach sechs bis acht Semestern erreicht und ist der erste Hochschulabschluss, der für eine Berufstätigkeit qualifiziert. Im Anschluss daran kann ein ein- bis zweijähriger Masterstudiengang absolviert werden.

Finde ich mit einem Bachelor einen Job?

Bei der Jobsuche gibt es nach Erkenntnissen des Hochschulinformationssystems (HIS), bezogen auf den Absolventenjahrgang 2009, keine Probleme, eine Anstellung zu finden. Der Unterschied wird jedoch bei der Betrachtung der Bruttogehälter deutlich: Ein Absolvent mit einem traditionellen Hochschulabschluss verdiente im Durchschnitt etwa 10.000 Euro jährlich mehr als ein Absolvent mit Bachelor-Abschluss. Der Unterschied bei den Fachhochschul-Absolventen fällt mit durchschnittlich 3.600 Euro zugunsten der Absolventen mit traditionellem Abschluss zwar nicht ganz so deutlich aus, aber diese Zahlen lassen eine geringere Wertschätzung der Bachelor-Absolventen und eine Unsicherheit seitens der Arbeitgeber vermuten.

Kann ich nach dem Bachelor auf jeden Fall den Master machen?

Der Master-Abschluss steht nicht jedem Bachelor-Absolventen offen. Nur für etwa ein Drittel der Bachelor-Absolventen ist aufgrund der begrenzten Zahl der Studienplätze ein anschließendes Master-Studium möglich. Entscheidend sind hier die Leistungen aus dem Bachelor-Studium.

Was bedeutet der Master?

Ein Master-Studiengang ist anwendungs- und forschungsorientiert und dauert zwei bis vier Semester. Es wird unterschieden in einen konsekutiven Master (auf dem Bachelor-Studium aufbauend und es inhaltlich fortsetzend) und einen weiterbildenden Master (anwendungsorientiert; Zielgruppe: Bachelor-Absolventen mit mindestens 1-jähriger einschlägiger Berufserfahrung). Die Studienzeit ist für den weiterbildenden Master nicht beschränkt, beide Master-Abschlüsse berechtigen zur Promotion.

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